Dialog und mehr Zusammenarbeit, das fordern Lajcak und Malcorra — Zusammenfassung der 2. Runde öffentlicher Anhörungen

Am 7. Juni fand in New York die zwei­te öffent­li­che Anhö­rung von Kan­di­da­ten für den Pos­ten des nächs­ten UN-Gene­ral­se­kre­tärs statt. Wäh­rend des zwei­stün­di­gen Gesprächs soll­ten Sus­ana Mal­cor­ra aus Argen­ti­ni­en und Miros­lav Laj­cak aus der Slo­wa­kei ihre Visio­nen zur Rol­le des Gene­ral­se­kre­tärs dar­stel­len und die Fra­gen von Län­der­grup­pen- und Län­der­ver­tre­ter beant­wor­ten. Um eine größt­mög­li­che Trans­pa­renz des Vor­gangs zu gewähr­leis­ten, waren auch Ver­tre­ter der Zivil­ge­sell­schaft bei der Befra­gung zuge­las­sen.

We don’t listen to each other enough and when we listen, we don’t hear and when we hear, we don’t want to understand”[1]

Miros­lav Laj­cak ist ein Diplo­mat mit fast 30 Jah­ren Erfah­rung und der­zeit slo­wa­ki­scher Minis­ter für Aus­wär­ti­ge und Euro­päi­sche Ange­le­gen­hei­ten. In sei­nem Visi­on State­ment[2] hat er den Gene­ral­se­kre­tär als krea­ti­ven Lea­der mit refor­me­ri­scher Denk­wei­se, als Mana­ger mit schar­fem Bli­ck für den Kon­text, als Zuhö­rer und guten Kom­mu­ni­ka­tor mit hohen ethi­schen und mora­li­schen Wer­ten geschil­dert. Er scheint eine sol­che zu sein – zurück­hal­tend, erfah­ren, jemand, der sich nicht fürch­tet, Kri­tik zu äußern und sei­ne Posi­ti­on ver­ständ­li­ch dar­stellt. Laj­cak ist über­zeugt, dass, um heu­ti­ge glo­ba­le Pro­ble­me, wie Ter­ro­ris­mus und Extre­mis­mus zu lösen, muss das Augen­merk auf die jun­ge Gene­ra­ti­on gerich­tet wer­den.

Mit Hil­fe von Aus­bil­dung, sozia­ler Ein­glie­de­rung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­ständ­nis, durch die Gele­gen­heit zur Selbst­ver­wirk­li­chung aller jun­gen Leu­te, könn­ten die­se Pro­ble­me wenn nicht gelöst, dann doch zumin­dest ver­min­dert wer­den. „Wir müs­sen in die Jugend inves­tie­ren. Falls wir ihnen die Hoff­nung und die Mög­lich­kei­ten geben, schen­ken sie uns eine bes­se­re Zukunft!“- mein­te Laj­cak. Auch die huma­ni­tä­re Kri­se und die mit ihr ver­bun­de­ne Isla­mo­pho­bie wur­den the­ma­ti­siert.

Es ist kein Geheim­nis, dass der Zustrom von Flücht­lin­gen im Jahr 2015 die anti­mus­li­mi­sche Ein­stel­lung in der Län­der­po­li­tik und in der euro­päi­schen Gesell­schaft ver­stärkt hat. Die Lage der Islam­feind­lich­keit wird bei­spiels­wei­se in dem Bericht[3] der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on gegen Ras­sis­mus und Into­le­ranz und in dem Euro­päi­schen Isla­mo­pho­bie-Bericht[4] geschil­dert. Laut Laj­cak ist die huma­ni­tä­re Kri­se unse­re Rea­li­tät und wir müs­sen dage­gen nicht allein auf den regio­na­len oder natio­na­len Ebe­nen kämp­fen, son­dern glo­ba­len Stra­te­gi­en des Migra­ti­ons­ma­nage­ments ent­wi­ckeln.

Er ist über­zeugt, dass mit Hil­fe von Diplo­ma­tie und Dia­log vie­le Pro­ble­me gelöst wer­den kön­nen.

I will do my very best to get the best“[5]

Nicht weni­ger beein­dru­cken­de Erfah­rung in der inter­na­tio­na­len Poli­tik hat die zwei­te Kan­di­da­tin — Sus­ana Mal­cor­ra. Sie ist Außen­mi­nis­te­rin Argen­ti­ni­ens und war frü­her Kabi­netts­che­fin des Gene­ral­se­kre­tärs der Ver­ein­ten Natio­nen sowie Stell­ver­tre­ten­de Exe­ku­tiv­di­rek­to­rin des Welt­ernäh­rungs­pro­gramms. Ihrer Mei­nung nach soll der neue UN-Gene­ral­se­kre­tär „eine Brü­cke zwi­schen den Mit­glied­staa­ten schla­gen“ und „die hori­zon­ta­le Zusam­men­ar­beit über die drei Säu­len der Orga­ni­sa­ti­on för­dern“.[6]

Mal­cor­ra beton­te die Bedeu­tung der Agen­da 2030 und leg­te den Fokus auf die am stärks­ten gefähr­de­ten Län­der, für wel­che die­se Agen­da eine Fra­ge des Über­le­bens ist. Es müs­se dar­auf geach­tet wer­den, „nie­man­den zurück zu las­sen!“. Punk­te, wel­che ihrer Mei­nung nach in der Arbeit der Orga­ni­sa­ti­on geän­dert wer­den soll­ten, sind das Veto-Recht, die Arbeits­maß­nah­men des Gene­ral­se­kre­ta­ri­ats, die Koope­ra­ti­on zwi­schen dem Sekre­ta­ri­at und der Gene­ral­ver­samm­lung sowie die geo­gra­phi­sche- und Geschlech­ter­gleich­stel­lung im Gene­ral­se­kre­ta­ri­at.

Mal­cor­ra ist über­zeugt, dass eine Per­son gro­ße Ver­än­de­run­gen, wenn auch auf einem Min­dest­ni­veau, her­bei­füh­ren kann. Unter der Berück­sich­ti­gung ihrer Erfah­rung, der Fähig­keit das Gespräch auf Spa­ni­sch, Fran­zö­si­sch und Eng­li­sch zu füh­ren, als auch der Unter­stüt­zung durch die USA[7] scheint Mal­cor­ra eine star­ke Kon­kur­ren­tin für Iri­na Boko­va zu sein. Doch ihr Visi­on State­ment und Infor­mal Dia­log klan­gen mehr nach schö­nen, aber all­ge­mei­nen Flos­keln und nicht nach kon­kre­ten Stra­te­gi­en.

We have to deal with the issue of the day

Bei­de Kan­di­da­ten beton­ten in der Aus­spra­che die Not­wen­dig­keit, die inne­re Orga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen zu ändern. Das gesam­te UN-Sys­tem sei nicht in der Lage, sich mit aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen in adäqua­ter Wei­se zu befas­sen. Die Welt ände­re sich und die Ver­ein­ten Natio­nen soll­ten fle­xi­bel auf die­se Ände­run­gen reagie­ren kön­nen.

Auch eine enge­re Zusam­men­ar­beit mit den regio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, wie Euro­päi­sche Uni­on, Liga der ara­bi­schen Staa­ten und  Afri­ka­ni­sche Uni­on, in allen mög­li­chen Berei­chen wur­de als wich­ti­ger Fak­tor des effek­ti­ven Funk­tio­nie­rens der Ver­ein­ten Natio­nen bestimmt.

 

 

[1] Miros­lav Lajčák — Infor­mal dia­lo­gue for the posi­ti­on of the next UN Secreta­ry-Gene­ral, avail­able on UN Web TV: http://webtv.un.org/search/miroslav-laj%C4%8D%C3%A1k-slovak-republic-informal-dialogue-for-the-position-of-the-next-un-secretary-general/4930492300001?term=next%20UN%20Secretary-General&languages=&sort=date

[2] VISION STATEMENT OF MIROSLAV LAJČÁK, avail­able on: http://www.un.org/pga/70/wp-content/uploads/sites/10/2016/01/Secretary-General-Election-Vision-Statement_Slovakia-2-June.pdf

[3] Annu­al Report, Euro­pean Com­mis­si­on again­st Racism and Into­leran­ce, May 2016: http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/activities/Annual_Reports/Annual%20report%202015.pdf

[4] Euro­pean Isla­mo­pho­bia Report, Foun­da­ti­on for Politi­cal, Eco­no­mic and Soci­al Rese­ar­ch, 2016: http://www.islamophobiaeurope.com/reports/2015/en/EIR_2015.pdf

[5] Sus­ana Mal­cor­ra — Infor­mal dia­lo­gue for the posi­ti­on of the next UN Secreta­ry-Gene­ral, avail­able on UN Web TV: http://webtv.un.org/search/susana-malcorra-argentina-informal-dialogue-for-the-position-of-the-next-un-secretary-general/4931454866001?term=next%20UN%20Secretary-General

[6] VISION STATEMENT OF SUSANA MALCORRA, avail­able on: http://www.un.org/pga/70/wp-content/uploads/sites/10/2016/01/Vision-Statement-Malcorra.pdf

[7] P. Fos­ter: Falk­lands dilem­ma for UK as US favours Argen­ti­ne can­di­da­te as next UN Secreta­ry-Gene­ral, in The Tele­gra­ph: http://www.telegraph.co.uk/news/2016/06/05/falklands-dilemma-for-uk-as-us-favours-argentine-candidate-as-ne/

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