Die Karten liegen erst langsam auf dem Tisch / Ergebnisse der 2. Probeabstimmung im Rennen um die Nachfolge von Ban Ki-moon

Und tat­säch­li­ch: es hat sich etwas bewegt, im Ren­nen um die Nach­fol­ge von Ban Ki-moon. In der Gunst der 15 Sicher­heits­rats-Mit­glie­der sind Kan­di­da­ten gestie­gen und, was fast noch span­nen­der ist, eini­ge deut­li­ch gefal­len: die in den sozia­len Medi­en als Mit-Favo­ri­tin gehan­del­te Helen Clark fiel von Rang 4 auf 7 und Dani­lo Türk, nach der ers­ten Pro­be­ab­stim­mung noch knapp hin­ter dem “Füh­ren­den” Antó­nio Guter­res ran­giert nun noch auf Platz 4. Das ist zwar kei­ne Wahl son­dern eine Moment­auf­nah­me. Mit Berück­sich­ti­gung der Ergeb­nis­se aus der ers­ten Pro­be­ab­stim­mun­gen erge­ben sich doch aber eini­ge Ein­sich­ten.

Inter­es­sant an den Ergeb­nis­sen ist vor allem die Ver­än­de­rung der Voten: die deut­li­ch ver­än­der­te Rei­hung ergibt sich nicht aus rele­van­ten Ver­än­de­run­gen der posi­tiv-Voten für ein­zel­ne Kan­di­da­ten son­dern vor allem aus den kla­ren Posi­tio­nie­run­gen gegen sie. So erhält Dani­lo Türk zum Bei­spiel fünf “discourage”-Stimmen anstel­le von nur zwei in der ers­ten Abstim­mungs­run­de. Inso­fern der­ar­ti­ge Abstim­mungs­run­den immer eine eige­ne Dyna­mik über die Zeit ent­wi­ckeln, ist schwer vor­her­zu­sa­gen, wel­che Ver­än­de­run­gen sich in den nächs­ten Wochen erge­ben wer­den. Deut­li­ch wird, dass das Ren­nen ziem­li­ch offen ist.

CpKkNR4W8AAu-XR.jpg-largeAuch wenn Antó­nio Guter­res klar vor­ne liegt, heißt das nicht zwin­gend, dass er die bes­ten Chan­cen hät­te. Ja, Anto­nio Guter­res wäre sicher­li­ch ein sehr geeig­ne­ter Kan­di­dat für die Nach­fol­ge von Ban Ki-Moon. Mit sei­ner tie­fen Erfah­rung als frü­he­rer Chef des UN-Flücht­lings­hilfs­werks (UNHCR) bringt er die Kom­pe­tenz und das diplo­ma­ti­sche Rüst­zeug mit, einer der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der nächs­ten Jah­re zu begeg­nen: die Lösung der Flücht­lin­ge- und Migra­ti­ons­be­we­gun­gen. Aber er ist weder eine Frau noch kommt er aus Ost­eu­ro­pa.

Bei allen Voten fällt auf, dass die Stim­men mehr und mehr in eine kla­re — posi­ti­ve oder nega­ti­ve — Rich­tung zei­gen und die Voten, die kei­ne Mei­nung zu einem Kan­di­da­ten oder eine Kan­di­da­tin äußern, abneh­men. Inso­fern ist es inter­es­sant, dass die der­zei­tige Außen­mi­nis­terin Argen­ti­ni­ens, Sus­ana Mal­corra, deut­li­ch wei­ter oben ange­sie­delt ist und mit einem 3. Rang deut­li­ch aus­sichts­reich gelis­tet ist. Ihr dürf­te zugu­te kom­men, dass sie vor ihrem Amt in der Regie­rung Argen­ti­ni­ens Kabi­netts­che­fin im Exe­cu­tive Office bei den Ver­ein­ten Natio­nen war, ein­ge­setzt von Ban Ki-moon.

Auch wenn Vuk Jere­mić, dem bis­her eher gerin­ge Chan­cen auf die Nach­fol­ge im Top-Job der Ver­ein­ten Natio­nen zuge­rech­net wer­den, sich auch an der Spit­ze wie­der­fin­det, liegt das nicht an den posi­tiv-Voten (“encou­ra­ge”). Son­dern an der Dyna­mik der bis­her vor ihm gelis­te­ten auf die hin­te­ren Rän­ge. Zuviel Hoff­nung dürf­te der Ser­be sich nicht machen, da auf­grund sei­ner Posi­ti­on in Bezug auf den Koso­vo die USA, Frank­reich und das Ver­ei­nigte König­reich — alle haben den Koso­vo aner­kannt — sich schwer tun dürf­ten, ihn zu nomi­nie­ren.

Unter dem Ein­druck die­ser Ergeb­nis­se zeigt sich, dass der rus­si­sche Ver­tre­ter im Sicher­heits­rat, Vita­ly Chur­kin recht hatte:“It’s not going to be resol­ved on Fri­day 5th August”. Die 2. Pro­be­ab­stim­mung zeigt aber auch, das Ren­nen ist offen und die Span­nung groß!

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