Wer waren eigentlich die UN-Generalsekretäre bisher?

Der Gene­ral­se­kre­tär steht als höchs­ter Ver­wal­tungs­be­am­ter an der Spit­ze des Sekre­ta­ri­ats der Ver­ein­ten Natio­nen, eines der sechs Haupt­or­ga­ne der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on. Er wird in gehei­mer Abstim­mung für eine Amts­zeit von fünf Jah­ren gewählt. Im Mit­tel­punkt sei­ner Tätig­keit ste­hen u.a. sei­ne poli­ti­schen Funk­tio­nen, ins­be­son­de­re im Bereich der fried­li­chen Streit­bei­le­gung.

Ban Ki-moon (Südkorea)

UN-Generalsekretär von 2007 bis 2016

csm_Ban_ki-moon_01_f6442be27aNach­fol­ger von Kofi Ann­an ist der süd­ko­rea­ni­sche Außen- und Han­dels­mi­nis­ter Ban Ki-moon. Seit 1. Janu­ar 2007 beklei­det er das Amt des Gene­ral­se­kre­tärs und ist damit der ach­te Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen. Am 21. Juni 2011 wur­de er ein­stim­mig für eine zwei­te Amts­zeit wie­der­ge­wählt, die bis zum 31. Dezem­ber 2016 dau­ern wird.

Ban Ki-moon trat 1970 in den Aus­wär­ti­gen Dienst sei­nes Hei­mat­lan­des ein. Als Diplo­mat wur­de er u.a. in Neu Del­hi, New York und Washing­ton ein­ge­setzt. Zudem war er Lei­ter der Nord­ame­ri­ka-Abtei­lung im korea­ni­schen Außen­mi­nis­te­ri­um. Her­vor­zu­he­ben sind ins­be­son­de­re die Sta­tio­nen als Stän­di­ger Ver­tre­ter bei den Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen in Wien und New York. Im UN-Sys­tem selbst war er schon als Kabi­nett­chef des Prä­si­den­ten der UN-Gene­ral­ver­samm­lung tätig. Ban Ki-moon enga­gier­te sich aber auch für die Ver­bes­se­rung der zwi­schen­staat­li­chen Bezie­hun­gen zu Nord­ko­rea: Er war 1992 Vize­vor­sit­zen­der der Sou­th-Nor­th Joint Nuclear Con­trol Com­mis­si­on und betei­lig­te sich im Sep­tem­ber 2005 mit gro­ßem Ein­fluss an den soge­nann­ten Sech­ser-Gesprä­chen zur Lösung der nukle­a­ren Kri­se in Nord­ko­rea. Der Süd­ko­rea­ner hat in Seo­ul Inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen stu­diert und absol­vier­te spä­ter ein Auf­bau­stu­di­um im Bereich der Öffent­li­chen Ver­wal­tung an der renom­mier­ten Har­vard Uni­ver­si­ty. Er ist ver­hei­ra­tet, hat zwei Töch­ter und einen Sohn.

Kofi Annan (Ghana)

UN-Generalsekretär von 1997 bis 2006

csm_annan_a3568bb9b7Der sieb­te UN-Gene­ral­se­kre­tär gilt als einer der her­aus­ra­gen­den Gene­ral­se­kre­tä­re in der Geschich­te der Ver­ein­ten Natio­nen, der in einer sehr schwie­ri­gen Umbruchs­pha­se in der Welt­po­li­tik und trotz aller Rück­schlä­ge welt­weit das Anse­hen der Ver­ein­ten Natio­nen meh­ren konn­te. Er war der ers­te Gen­ral­se­kre­tär, der aus der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on selbst kam. In mehr als drei­ßig Berufs­jah­ren hat er auf hoch­ran­gi­gen Pos­ten in Afri­ka, Euro­pa und am Sitz in New York enor­me Erfah­run­gen über Struk­tur und Arbeits­wei­se der Ver­ein­ten Natio­nen gesam­melt. So war er ver­ant­wort­li­ch für Ver­wal­tung, Bud­get- und Per­so­nal­fra­gen, aber auch in der Flücht­lings­hil­fe und Frie­dens­si­che­rung tätig. Sei­ne höchs­te Aus­zeich­nung erhielt er mit der Ver­lei­hung des 100. Frie­dens­no­bel­prei­ses am 10. Dezem­ber 2001. Er und die Ver­ein­ten Natio­nen wur­den gewür­digt für ihr Wir­ken zuguns­ten des Welt­frie­dens und der inter­na­tio­na­len Sicher­heit, für die Ach­tung der Men­schen­rech­te und den Aus­gleich zwi­schen Nord und Süd.

Diver­se heik­le diplo­ma­ti­sche Mis­sio­nen hat er erfolg­reich abge­schlos­sen, unter ande­rem sei­ne Ver­mitt­lungs­rei­se in den Irak. Im Juli 1997 stell­te Ann­an sein umfas­sen­des Reform­pro­gramm zur Erneue­rung der Ver­ein­ten Natio­nen vor: Es rückt wirt­schaft­li­che und sozia­le Akti­vi­tä­ten wie­der ins Zen­trum der UN-Arbeit und die noch stär­ke­re Beach­tung der Men­schen­rech­te. Regio­na­le Staa­ten­bünd­nis­se wie z.B. die OSZE sol­len nach Ermäch­ti­gung durch den UN-Sicher­heits­rat stär­ker an frie­dens­er­hal­ten­den Maß­nah­men betei­ligt wer­den. Ann­an schlug auch eine Reform des Sicher­heits­ra­tes vor, der immer noch die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se der Nach­kriegs­zeit wider­spie­gelt. Auch im Manage­ment der UN-Orga­ni­sa­ti­on hat er umfas­sen­de Refor­men ein­ge­lei­tet: So wur­den beim Per­so­nal rund 1.000 Stel­len abge­baut, der Etat um 120 Mil­lio­nen Dol­lar gekürzt und Büro­kra­tie und Ver­wal­tung gestrafft. Zu sei­ner Ent­las­tung hat er das Amt eines stell­ver­tre­ten­den Gene­ral­se­kre­tärs geschaf­fen, in das zunächst die Kana­die­rin Loui­se Fré­chet­te und 2006 der Bri­te Mark Mal­loch Brown beru­fen wur­de.

Wesent­li­che Reform­vor­schlä­ge hat er zum Welt­gip­fel 2005 gelie­fert, die aber man­gels Unter­stüt­zung der UN-Mit­glieds­län­der nur zum Teil umge­setzt wer­den konn­ten. Sei­nen größ­ten Erfolg hat­te er mit der Auf­stel­lung der Mill­en­ni­ums-Ent­wick­lungzie­le, die inzwi­schen im Zen­trum inter­na­tio­na­ler Auf­merk­sam­keit ste­hen. Die Zie­le wur­den auf dem Mill­en­ni­ums­gip­fel 2000 von über 180 Regie­run­gen beschlos­sen, in dem man sich ver­pflich­te­te, bis zum Jahr 2015 u.a. die Armut welt­weit zu hal­bie­ren und die Aus­brei­tung von AIDS zu stop­pen. Inzwi­schen sind die Mill­en­ni­ums-Ent­wick­lungs­zie­le die am brei­tes­ten unter­stütz­ten, umfas­sends­ten und kon­kre­tes­ten Vor­ga­ben zur Ver­rin­ge­rung der Armut, die die Welt je auf­ge­stellt hat.

Boutros Boutros-Ghali (Ägypten)

UN-Generalsekretär von 1991 bis 1996

csm_boutros_20-_20200x250_7203361e58Der sechs­te Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen begann sein Amt in einer Zeit der Hoff­nung, die UN kön­ne anstel­le der Super­mäch­te die Rol­le als Siche­rer des Welt­frie­dens spie­len. Fast alle Welt­pro­ble­me wur­den in New York abge­la­den — und das bei anhal­ten­der Finanz­kri­se der Orga­ni­sa­ti­on. Die ent­täu­schen­den Erfah­run­gen in Ex-Jugo­sla­wi­en und Soma­lia haben gezeigt, dass die Ver­ein­ten Natio­nen über­for­dert sind, in allen Kon­flik­ten welt­weit ein­zu­grei­fen und Frie­den zu sichern. Mit sei­ner “Agen­da für den Frie­den” hat Bou­tros-Gha­li ein Pro­gramm erar­bei­tet, um den wach­sen­den Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den und gleich­zei­tig die über­höh­ten Erwar­tun­gen an die UN auf ein rea­lis­ti­sches Maß zu brin­gen. Er kri­ti­sier­te das man­geln­de Enga­ge­ment der Groß­mäch­te in vie­len Kon­flikt­fäl­len und bedau­er­te, dass Miss­er­fol­ge den Ver­ein­ten Natio­nen oft­mals unge­recht­fer­tigt ange­las­tet wur­den. Sei­ne zuneh­mend kri­ti­sche Posi­ti­on gegen­über der US-Admi­nis­tra­ti­on im Lau­fe sei­ner Amts­zeit wur­de ihm zum Ver­häng­nis. Die USA ver­wei­ger­ten Bou­tros Gha­li die Zustim­mung für eine wei­te­re Amts­pe­ri­ode.

Javier Pérez de Cuéllar (Peru)

UN-Generalsekretär von 1981 bis 1991

csm_cuellar_20-_20200x250_29247e167dPérez de Cuel­lar mus­s­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit die ange­spann­ten Haus­halts­la­ge der UN bewäl­ti­gen. Die Finanz­kri­se ver­schärft sich, weil Mit­glieds­län­der wegen ihrer Ableh­nung bestimm­ter UN-Akti­vi­tä­ten Pflicht­bei­trä­ge zurück­hiel­ten. Zu den bedeu­ten­den Nie­der­la­gen in sei­ner Amts­zeit zäh­len sei­ne ver­geb­li­chen Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen im Vor­feld des Falk­land- und des letz­ten Golf­kriegs. Er kann aber auch auf eine erfolg­rei­che Frie­den­stif­tung zurück­bli­cken, so in der Unab­hän­gig­keit Nami­bi­as. Zu den Höhe­punk­ten sei­ner Tätig­keit gehö­ren sei­ne Mit­wir­kung an der Bei­le­gung des Iran-Irak-Kon­flikts wie auch an der Been­di­gung des Bür­ger­krie­ges in Kam­bo­dscha und dem fol­gen­den Frie­dens­pro­zeß. Vor dem Hin­ter­grund des welt­po­li­ti­schen Ost-West-Umbruchs erleb­te die Orga­ni­sa­ti­on unter de Cuél­lars Füh­rung eine Renais­sance, die sich u.a. in einer dra­ma­ti­schen Zunah­me von UN-Blau­helm-Ein­sät­zen nie­der­schlug.

Kurt Waldheim (Österreich)

UN-Generalsekretär von 1971 bis 1981

csm_waldheim_20-_20200x250_5282d092aeAuch die Ära Wald­heim war von den Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den Groß­mäch­ten im Ost-West-Kon­flikt gekenn­zeich­net. Als Schlich­ter bei Aus­bruch des Jom-Kip­pur-Krie­ges auf dem Sinai 1973 war er erfolg­reich, als er rasch den Ein­satz von UN-Trup­pen orga­ni­sie­ren konn­te. Er brach­te die Frie­dens­ge­sprä­che auf Zypern wie­der in Gang und orga­ni­sier­te mas­si­ve huma­ni­tä­re Hil­fe für Boots­flücht­lin­ge aus Viet­nam und die Hun­gern­den in Kam­put­schea. Geschätzt waren sei­ne Diens­te als Ver­mitt­ler u.a. bei der Beset­zung Kam­put­sche­as durch Viet­nam oder Afgha­nis­tans durch die Sowjet­uni­on. Ohne Erfolg waren Wald­heims Ver­su­che, die ame­ri­ka­ni­schen Gei­seln aus Tehe­r­an zu holen. Zu den Nie­der­la­gen der UN, die auch Wald­heim nicht ver­hin­dern konn­te, gehör­te die Ver­ab­schie­dung einer Reso­lu­ti­on der Gene­ral­ver­samm­lung, die Zio­nis­mus mit Ras­sis­mus gleich­setz­te. Vie­le Beob­ach­ter schrei­ben der mit sei­nem Namen ver­bun­de­nen Ära der UN neben den punk­tu­el­len Erfol­gen eine Sta­gna­ti­on in wesent­li­chen poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Fra­gen zu. Erst Mit­te der 80er Jah­re wur­den Nach­kriegs­ak­ten publik, die Wald­heim ver­däch­tig­ten, wäh­rend sei­ner Wehr­machts­zeit Kriegs­ver­bre­chen began­gen zu haben.

Sithu U Thant (Birma)

UN-Generalsekretär von 1961 bis 1971

csm_thant_20-_20200x250_6ef0d650b1Zurück­hal­tung bei den Frie­dens­be­mü­hun­gen leg­te sich der drit­te Amts­in­ha­ber auf. Die vor­sich­ti­ge Diplo­ma­tie U Thants ent­sprach dem schwin­den­den Ein­fluß der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on vor dem Hin­ter­grund des sich ver­schär­fen­den Kal­ten Krie­ges und den welt­po­li­ti­schen Ereig­nis­sen der 60er Jah­ren. Die Erfol­ge wäh­rend sei­ner Amts­zeit waren die Been­di­gung der Kon­go-Kri­se und der Zypern-Unru­hen (1964), Mißer­fol­ge waren die UN-Tätig­keit im Viet­nam-Krieg und im Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten.

Auf den Sei­ten der fol­gen­den Home­page wird sei­nem 100. Geburts­tag gedacht:
http://unic.un.org/aroundworld/unics/uthant/index.asp

Dag Hammarskjöld (Schweden)

UN-Generalsekretär von 1953 bis 1961

csm_dag_20-_20200x250_f5e3b48dfaEr war sicher­li­ch der her­aus­ra­gen­de Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen. Ziel­be­wußt und mit gro­ßem Geschick wuß­te er Lücken der Char­ta zu nut­zen und eröff­ne­te dem Amt des Gene­ral­se­kre­tärs Hand­lungs­spiel­räu­me und Initia­tiv­mög­lich­kei­ten. Er prak­ti­zier­te auch erst­mals die sog. “vor­beu­gen­de Diplo­ma­tie”, d.h. der Ver­su­ch, Strei­tig­kei­ten ohne eine beson­de­re Ermäch­ti­gung eines ande­ren UN-Organs bei­zu­le­gen, ehe sie ein aku­tes Sta­di­um errei­chen. In den 50er Jah­ren hat­te sich die Mit­glie­der­struk­tur der UN dra­ma­ti­sch geän­dert und gab der Orga­ni­sa­ti­on ein neu­es Gesicht, das die Amts­zeit des zwei­ten Gene­ral­se­kre­tärs präg­te: Im Rah­men der Ent­ko­lo­nia­li­sie­rung tra­ten vie­le Ent­wick­lungs­län­der bei, die Gesamt­mit­glie­der­zahl stieg bis 1960 auf 100. Zum vor­herr­schen­den Ost-West-Gegen­satz in Form des Kal­ten Krie­ges kam der Nord-Süd-Kon­flikt. Dabei buhl­ten die Super­mäch­te um die Stim­men der Drit­ten Welt, um ihren Ein­fluss in der Gene­ral­ver­samm­lung zu ver­grö­ßern. Hammarsk­jöld mus­s­te so zwi­schen den ver­fein­de­ten Groß­mäch­ten manö­vrie­ren und die unter­schied­li­chen Inter­es­sen der Drit­te-Welt-Staa­ten berück­sich­ti­gen. Erfolg­reich war er bei der Durch­füh­rung der Waf­fen­still­stands­ab­kom­men zwi­schen Israel und den ara­bi­schen Staa­ten, trug zur fried­li­chen Bei­le­gung der Suez-Kri­se durch Auf­stel­lung einer Frie­dens­trup­pe bei und orga­ni­sier­te den Ein­satz einer UN-Beob­ach­ter­grup­pe im Bür­ger­krieg Liba­nons. Sei­ne Hal­tung in der Kon­go-Kri­se und der Ein­satz einer Frie­dens­trup­pe brach­te ihm hef­ti­ge Kri­tik ein­zel­ner UN-Mit­glied­staa­ten. Hammarsk­jöld starb auf einer UN-Mis­si­on im Kon­go.

Trygve Lie (Norwegen)

UN-Generalsekretär von 1946 bis 1952

csm_lie_20-_20200x250_c7e51f705fWäh­rend eines Groß­teils sei­ner Amts­zeit war der ers­te Gene­ral­se­kre­tär damit beschäf­tigt, das Sekre­ta­ri­at auf­zu­bau­en und die Orga­ni­sa­ti­on in ihrem Haupt­quar­tier arbeits­fä­hig zu machen. Wenig Erfolg hat­ten sei­ne Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen beim Paläs­ti­na­kon­flikt und beim indi­sch-pakis­ta­ni­schen Streit über Kaschmir. Bis 1953 hat­te die UN nur 60 Mit­glied­staa­ten mit einem Über­ge­wicht west­li­cher und latein­ame­ri­ka­ni­scher Län­der und der Domi­nanz der USA. Dies zog für Lie den Zorn Mos­kaus nach sich — als er wäh­rend des Korea­krie­ges den Vor­stoß der Nord-korea­ner auf den Süd­en als Aggres­si­on ver­ur­teil­te, die Mit­glied­staa­ten auf­for­der­te, Süd­ko­rea zu unter­stüt­zen und der Sicher­heits­rat in Abwe­sen­heit der Sowjet­uni­on das Kom­man­do der UN-Trup­pe in Korea den Ame­ri­ka­nern über­trug. Trotz Ein­satz einer gro­ßen UN-Trup­pe konn­te die Tei­lung Koreas nicht ver­hin­dert wer­den.

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